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GoitzscheWelle. Das JUNGE Radio präsentiert: Taten und Bilder sind unserer Welt
NewsDabei stellte er kurz das Projekt und die Künstler vor, deren Besonderheit es ist, seit dem ersten Lebensjahr gehörlos zu sein. Für viele Anwesenden sicherlich eine völlig neue Erfahrung, zumal in dieser Intensität des Zusammentreffens von Mensch und Kunst eine besondere Atmosphäre entstand. Unter den Gästen weilte auch der 1.Vorsitzende des Stadtverbandes der Hörgeschädigten Leipzig e.V. (SVHGL), Torsten Böttcher, und der gehörlose Dozent von der Magdeburger Fachhochschule, Studienfach Gebärdensprache, Falko Neuhäusl. Der Dipl. Fotograf und Grafiker Volkmar Jaeger ist in jenem Stadtverband Beisitzer für Kultur.

Durchgängig wurde die Veranstaltung von der Dipl. Gebärdensprachdolmetscherin Sandra Köchy aus Magdeburg in sehr erfrischender Weise simultan übersetzt, und zwar die Lautsprache in die Gebärdensprache. Es war auch für Hörende eine Freude zuzuschauen, wenn diese Bemerkung erlaubt sei.

Mit der Begrüßung durch die Ministerin für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, Frau Prof. Dr. Angela Kolb, begann der förmliche Teil der Veranstaltung. Die Ministerin hob die Tradition des Hauses hervor, eine derartige Ausstellung in die Flure des Justizzentrums zu holen und bekräftige den Willen der Landesregierung, dabei tatkräftig zur Seite zu stehen. Die Bedeutung des Zusammentreffens verschiedener Sichtweisen auf die Dinge solle den Horizont erweitern und dem einen wie dem anderen neue Einsichten ermöglichen.

Dem schloss sich der Präsident des Oberverwaltungsgerichtes, Herr Dr. Michael Bendorf, in seinem Grußwort an und ergänzte, dass es ihm sehr wichtig sei, die Verknüpfung von Hörenden und Gehörlosen im Rahmen der Zusammenarbeit auch in der Justiz auf diese Weise zu vertiefen. Immer häufiger würden auch bei Gericht GebärdensprachdolmetscherInnen hinzu gezogen werden. Damit beide Seiten besser aufeinander zugehen können, soll das Verständnis für die Welt der Gehörlosen auf Seiten der Hörenden, im Speziellen der Mitarbeiter in Justiz und Verwaltung, mit einer solchen Ausstellung nahe gebracht und verbessert werden.

Nach einem weiteren musikalischen Intermezzo begab sich der Richter am Oberverwaltungsgericht, Herr Wulf Roewer, auf einen gedanklichen Exkurs zum Thema „Kunst und Justiz – Eine unheimliche Begegnung der dritten Art". Es schien schon eine kleine Tradition zu sein, dass sich Herr Roewer in derartiger Weise bei Ausstellungseröffnungen im Hause zu kurzen Gedankenspaziergängen in die verschiedensten Themengebiete hinreißen ließ. Zumindest wurde seine Rede mit einer gewissen Vorfreude der Kollegen erwartet. Dank der blumigen Übersetzung durch Sandra Köchy kamen die intellektuellen Wortspielchen auch sehr gut bei den gehörlosen Anwesenden an. Zumindest gab es auf beiden Seiten entsprechende Belustigung.

Beide Seiten? Ja, durch die notwendige Frontalübersetzung mussten zwangsläufig alle gehörlosen Gäste auf jener der Gebärdensprachdolmetscherin gegenüberliegenden Seite des Foyers stehen. Da aber der Platz dort nicht für alle ausreichte, denn das Rednerpult stand zentral im Raum, postierten sich die Hörenden zumeist auf der anderen Seite, der Dolmetscherin im Rücken. Dass dort zugleich das Buffet stand, war wohl eher Zufall.

Nach dem etwas heiteren Beitrag seines Vorredners ergriff nun der Fotograf Volkmar Jaeger das Wort. Sandra Köchy dolmetschte nun umgekehrt die Gebärdensprache in die Lautsprache. Er klärte zunächst die Anwesenden darüber auf, dass es den gefallenen Terminus „taubstumm“ im Sprachgebrauch der Gehörlosen und Stummen nicht mehr gibt. Dieser Ausdruck ist schon im Ansatz falsch, da Gehörlose mehr oder weniger die Fähigkeit laut zu sprechen haben. Danach stellte er kurz sein Werk sowie das seiner Ehefrau Astrid vor und lud nach dem Umtrunk mit Buffet zu einem Rundgang nebst der Erläuterungen zu den Werken ein. Sein Dank, auch im Namen seiner Frau Astrid, galt allen Veranstaltern und Unterstützern im Raum.

Im Flur der ersten Etage waren exemplarisch die ausgewählten Fotografien von Volkmar Jaeger aus dessen gesamter Schaffensperiode, also seit 1953 ausgehängt. Sie unterteilten sich in mehrere Themengebiete. Da war die Welt der Gehörlosen, in der vor allem das Portrait und die Gestik eine große Rolle spielen ((Bild 3)). Ob die Gebärdensprache auf einer politischen Bühne zum Einsatz kam ((Bild 1)) oder ein Vater zärtlich seine Wange an die seiner Tochter schmiegt ((Bild 2)), es sind eindrückliche und zugleich nachdenklich stimmende Nahaufnahmen. So finden sich aus der jüngeren Zeit auch Farbfotos zum Thema „Ich suche den Menschen (sowohl Hörende als auch Nichthörende)“ ((4))

Ein zweites Themengebiet ist die Arbeits- und Alltagswelt der 1960er Jahren in Leipzig. Sehr gelungene Eindrücke aus der Arbeitswelt des Leipziger Stahlwerkes ABUS ((Bild 5)) oder einer Kürschnerei in Leipzig ((Bild 6)) vermitteln die in Schwarz-Weiß aufgenommenen Fotos. Es ist nichts geschönt, nichts retuschiert. Wer eintaucht in die Bilder, kann die Schmiere riechen …

Auf seinen damals noch möglichen Reisen durch das bereits geteilte Deutschland fing Volkmar Jaeger auch die Situationen auf den Straßen und Plätzen mit dem für ihn so spezifischen Hang zur Szenerie ein. Ob in Ostberlin Kriegsversehrte mit ihren gesunden Kinder auf dem Schoß die Stalin-Allee in ihren Rollstühlen überqueren ((Bild 7)) oder westdeutsche Besucher der Leipziger Messe sich den Wagen betanken lassen ((Bild 8)), ob eine Familie in Köln vor einer Dampflok auf deren Abfahrt wartet ((Bild 9)) oder drei alte tapfere Frauen trotz schlammigem Weg spazieren gehen ((Bild 10)), so wird authentisch vermittelt, als stünde man in der Szene. Wie wichtig dem Fotografen Volkmar Jaeger die Kinder sind, die unter den Folgen des Krieges am meisten zu leiden hatten, zeigen eindrucksvoll die Milieustudien in Leipzig und Hamburg zehn Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges.

Seine Fotos von einer Bulgarienreise 1960 zeigen Eltern, die in der Hauptstadt Sofia ihr schlafendes Kind auf der Straße tragen ((Bild 11)), oder die Segnung von Brot durch einen Popen im Rila-Kloster. Eine Welt, wie es sie so schon lange nicht mehr gibt ((Bild 12)).

Im Beratungsraum der ersten Etage, wo auch ein Katalog die Kunstwerke von Astrid Jaeger-Fleischer im Einzelnen nahe bringt. Wie auch im Flur der zweiten Etage stellte sie ihre Bilder aus, erläuterte diese mit Hilfe der Dolmetscherin dem sehr interessierten Publikum vor und eroberte sich die Sympathie der Zuhörer.

Ihre Nähe zu Flora – sie ist Meisterfloristin – bringt das Motiv der Pflanzen immer wieder in den Bildmittelpunkt ihrer Arbeiten. Sie bedient sich dabei ganz unkonventioneller Mittel und nutzt experimentell das Medium Fotografie für Licht und Bewegung oder die Malerei für Ausdruck von Befindlichkeiten und Interpretation der Welt, ganz so, wie sie sie sieht – wie ihr zumute ist. Sei es die „Hand“ aus mehrfarbigen Fingern oder „Der stumme Fisch im Wasser“, seien es die Baumfotos oder die Bilder über den seelischen Zustand des Menschen ((Bilder 13 – 17)). In ihrem Atelier in Zschortau bei Leipzig erschafft die berufstätige Mutter ihre zu enträtselnde Kunstwerke, so oft es die freie Zeit zulässt.

Astrid Fleischer-Jaeger scheut sich nicht, neue Wege zu gehen oder sogar auf den ersten Blick verstörend zu wirken. Der zweite, konzentrierte Blick lässt den Tiefgang erfassen. Dabei nutzt die Künstlerin das gesamte Farbspektrum, mischt die Farben neu oder reduziert sie auf ein Minimum mit größtmöglichem Kontrast.

Eines bleibt nach dem Rundgang: Die Künstlerin Astrid Fleischer-Jaeger und der Fotograf Volkmar Jaeger entführen den Betrachter nachhaltig in ihre Sicht auf die Dinge. Die Resonanz des anwesenden Publikums war sehr positiv und voller Dankbarkeit für diese neue Erfahrung. Es schien den Hörenden gut zu tun, sich eine bislang verschlossene Welt ein wenig erschließen zu können und einen ersten Schritt aufeinander zu wagen. Ein bemerkenswertes Zeichen des wachsenden Verständnisses für die stille Welt zeugte vom Beifall, indem ihn Hörende wie Nicht-Hörende mit den erhobenen, flatternden Händen spendeten.

Nun bleibt nur noch zu wünschen, dass viele Besucher diesen Eindruck mit nach Hause nehmen werden. Alles in allem eine sehr gelungene Doppel-Ausstellung an einem ungewöhnlichen Ort!

Alexander Atanassow
(hörender Gebrauchsgrafiker)

Wer die Ausstellung “Taten und Bilder sind unsere Welt” besuchen will, meldet sich beim Herrn Präsidenten der Oberverwaltungsgerichts des Landes Sachsen-Anhalt, Breiter Weg 203 – 206, 39104 Magdeburg


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24. Januar 2016 14:56:01
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06. November 2015 19:09:27
Hier gilt es, für die Hela zu voten: http://www.radiob.
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28. Oktober 2015 20:31:24
Schüler der Hela in Bitterfeld bewerben sich für ein Konzert mit Glasperlenspiel an ihrer Schule. Bitte votet http://www.radiob.
..ndarschule

22. Juni 2015 17:45:11
hab ich da was mal wieder verpasst Angry Angry wo bleibt meine Mucke heullllllllllllll.
warn ne geile Zeit muss ich schon sagen

21. Juni 2015 13:06:08
Wird schon weiter gehen Grin aber erst einmal Kraft schöpfen für neue Aufgaben Wink

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